Vom Tragen von Masken

venezianische Maske
Bildrechte: Thomas Max Müller / pixelio.de

Jetzt im Februar haben die bunten Masken und Kostüme noch einmal Hochsaison. Mit dem Tragen von Masken verbindet sich altes Brauchtum. Vielerorts wird mit Maskentanz und viel Lärm nach den Raunächten das Böse vertrieben. In früherer Zeit traute sich, durch die Maske geschützt, der einfache Mann wenigstens einmal im Jahr respektlose Reden zu schwingen und der sonst so gefürchteten Obrigkeit die Meinung zu sagen. Diese Narrenfreiheit musste dem Volk in diesen närrischen Tagen vor der Fastenzeit zugestanden werden. Den kirchlichen Würdenträgern war dieses Treiben oft ein Dorn im Auge. Sie lehnten das Tragen von Masken als heidnisches Gebaren ab, verurteilten es als Teufelswerk.

Ich denke, hinter der menschlichen Lust an der Verkleidung und dem Tragen von Masken verbirgt sich noch mehr. Es ist die Frage, die sich wohl jeder Mensch irgendwann einmal stellt: Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Wäre ich gern jemand anderes, wenn ich könnte?

In der Faschingszeit ist es leicht, wenigstens für ein paar Augenblicke die gewohnte Rolle zu verlassen, um einmal jemand ganz anderes zu sein und die Welt mit anderen Augen sehen zu können. Darum trägt der Clown sein Kostüm. Durch seine Maske kommt er zu uns wie aus einer anderen Welt. Wo er auftritt, zieht er Kinder wie Erwachsene in seinen Bann. Er bringt uns zum Lachen, manchmal auch zum Weinen. Auf geheimnisvolle Weise rührt der Clown an das Innerste der Menschen, das tief in ihrer Seele schlummert, gut verschlossen und geschützt. Er kann und darf es, ohne zu verletzen. Der Clown darf Dinge sagen, die sich sonst niemand sagen traut und die so zu manch neuer Einsicht führen. Weil er eine Maske trägt und damit nicht in unsere Welt gehört, kann der Clown den Menschen einen Spiegel vorhalten und sie fragen: Denke einmal nach, wer du wirklich bist.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen mit dem Fasching geht. Ich hoffe nicht so, wie einer Frau, die im Schaukasten gelesen hatte, dass ein Familiengottesdienst zum Thema Fasching stattfinden sollte. "Sie werden doch nicht im Gottesdienst Fasching feiern wollen?", war ihre Frage. Ich konnte sie beruhigen, denn direkt Fasching feiern wollten wir nicht. Aber warum nicht einmal das Thema in einem Gottesdienst aufnehmen. Warum nicht Alltag und Festtag miteinander verbinden!?

Zum menschlichen Leben gehört auch das Feiern dazu. Auch Fasching feiern. Vielleicht auch mal in die eine oder andere Rolle schlüpfen. Das kann ich, wenn ich darum weiß, wer ich bin; wenn ich die Maske, die ich immer wieder einmal trage, auch ablegen kann. Vor Gott brauchen wir keine Masken tragen.

Ihr Pfarrer Reinhard Fischer