Wozu das Erntedankfest?

Erntedank
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Im Vaterunser beten wir: "Unser tägliches Brot gib uns heute." Damit werden wir auf unser tägliches Brot hingewiesen.

Für mich drückt sich in der Bitte zugleich Dankbarkeit aus für das, was mir täglich geschenkt wird. Bitte und Dank gehören zusammen. Beim Tischgebet wird immer wieder der Dank ausgesprochen. Und oft danken wir im Gottesdienst Gott für die Gaben des Feldes und der Arbeit.

Wozu ist dann noch ein besonderes Erntedankfest nötig? Was ist eigentlich das Erntedankfest?

Schon seit dem Altertum werden am Ende der Erntezeit Feste und Gottesdienste gefeiert, so beispielsweise in Israel das Laubhüttenfest. Darin drückt sich das Bewusstsein aus, dass der Mensch sein Leben letztlich dem Geheimnis der Schöpfung und dem Wunder des Wachstums verdankt, das er durch Arbeit und Technik zwar fördern, aber nicht machen kann.

Dankbarkeit ist die Grundhaltung, die das nicht einfach als selbstverständlich empfindet, sondern immer mehr entdeckt, wie reich wir eigentlich sind. Wenn wir uns auf die Grundlagen des Lebens besinnen, schöpfen wir daraus Freude und Kraft für neue Saat und Arbeit und Bereitschaft für gerechtes Teilen.

Wozu das Erntedankfest? Das Erntedankfest hält den Glauben an unseren Gott, der unser Vater und Schöpfer ist, wach. Wir erinnern uns daran, dass unsere Lebensgrundlagen nicht von uns selbst, sondern von Gott kommen.

Alles, was wir ernten können, angefangen bei den Früchten und dem Brot bis hin zu unseren Fähigkeiten, unserem Können und Wissen, besitzen wir nicht nur für uns selbst, sondern zum Wohl für alle Menschen. Wir werden aufgefordert, erneut darüber nachzudenken, wie sich in unserem Handeln die überschwängliche Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus Christus widerspiegelt. Dazu darf alles, was wir ernten können, dienen.

Ihr Pfarrer Reinhard Fischer