Worauf warten Sie?

Wandbild im Kloster Kykko auf Zypern
Bildrechte: Dieter Schütz / pixelio.de

Das Auto stand im absoluten Halteverbot. Als der Polizist den Strafzettel schreiben wollte, sieht er den Mann am Steuer des Wagens sitzen. Darum klopft er an das Fenster. Der Mann schreckt aus seinen Gedanken auf und kurbelt die Scheibe herunter. Der Polizist fährt ihn an: "Worauf warten Sie denn hier?" Darauf der Mann, noch an seinen Gedanken hängend: "Ich warte auf das Reich Gottes." Der Ordnungshüter muss ihn ziemlich entgeistert angesehen haben, und dann ist er kopfschüttelnd weitergegangen. Sogar den Strafzettel hat er vergessen.

Die Situation, die hier geschildert wird, ist so skurril, dass sie mir nicht aus dem Kopf gegangen ist. Und ich finde sie erhellend gerade für die Adventszeit - die Zeit des Wartens auf das Kommen Jesu.

Worauf warten Sie eigentlich? Ich habe den Eindruck: Die meisten warten auf gar nichts. Man sieht eben nur, wie man den Stress der Zeit vor Weihnachten bewältigt, die Unsicherheiten, die die Corona-Pandemie ausgelöst hat, und dann geht es - hoffentlich - ja auch schon bald wieder weiter im nächsten Jahr.

Wer auf nichts wartet, der erwartet auch kaum noch etwas für die Zukunft. Manche sagen vielleicht noch: Ich erwarte ein paar ruhige Weihnachtstage. Kinder erwarten manchmal ungeduldig ihre Geschenke, und viele erhoffen sich weiße Weihnachten.

Aber wer wartet schon auf das Reich Gottes?

In früheren Generationen haben die Christen sehnsüchtig auf das Reich Gottes gewartet. Inständig haben sie gehofft, dass endlich Gerechtigkeit und Frieden einziehen. Sie haben dafür gebetet, dass Not und Leid ein Ende haben werden und dass Gott alles in allem sein wird. Und ich glaube, das Hoffen auf das Wiederkommen Jesu hat ihnen gut getan. Sie konnten die Augen aufheben aus den Sorgen und Nöten des Alltags und den weiten Blick bekommen, der dem Leben Hoffnung und Kraft gibt.

Worauf warten Sie? Ich wünsche Ihnen solche Perspektiven der Hoffnung. Ohne die Sehnsucht nach dem ganz Anderen verkommen wir in unserer Gegenwart.

Bleiben Sie behütet und bewahrt!

Ihr Pfarrer Reinhard Fischer

Welch Dunkel uns auch hält,
sein Licht hat uns getroffen!
Hoch über aller Welt
steht nun sein Himmel offen.
Gelobt sei Jesus Christ!

Jochen Klepper