Ich weiß noch nicht

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Die Corona-Krise hat die Welt ausgebremst. Viele mussten ein paar Gänge herunterschalten. Langfristige Pläne sind nicht möglich. Wir können nur von Tag zu Tag leben, allenfalls für wenige Wochen planen. Immer unter dem Vorbehalt, dass die Situation sich wieder ändern kann und wir unser Verhalten erneut anpassen müssen.

Was die Zukunft bringen wird, ich weiß es noch nicht. "Ich weiß noch nicht", schreibt auch Rainer Maria Rilke in einem Gedicht:

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Wie wird sie werden die nächste Zeit? Im Nachsinnen über die Zukunft, hilft das Zurückschauen auf das, was das Leben bisher geprägt hat.

An den Jahresringen eines Baumes kann man sein Alter ablesen. Große Abstände zeugen von guten Jahren, während die schmaleren Abstände an die Jahre mit weniger guten Lebensumständen erinnern. Wie bei Bäumen legt sich auch bei uns Menschen ein Jahresring über den anderen. Was in der Jugend einmal wichtig war, das ist tief drinnen noch da und doch zugleich überlagert von den Aufgaben und Freuden anderer Jahre: Berufsausbildung, Auszug von daheim, Familiengründung, aber auch Jahre mit weniger sichtbarem Wachstum: Zeiten zwischen Pflichterfüllung im Alltag und Sehnsucht nach Veränderung.

"Ich weiß nicht" - das ist das Grundgefühl in diesen Zeiten. Aber es soll uns den Mut nicht nehmen, nach vorne zu blicken. Rilke jedenfalls will den Versuch wagen, diese offene Zukunft zu gestalten:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Keine und keiner von uns weiß, wie viele Jahresringe sich noch um sein oder ihr Leben legen werden, ob es gute oder schwere Jahre werden. Klar ist nur: Die Zukunft lässt sich schwer planen. Aber bei und in allem dürfen wir gewiss sein: Die Zukunft in all ihrer Offenheit steht unter dem Segen unseres Gottes.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
gebe dir seine Gnade:
Schutz und Schirm vor allem Argen,
Stärke und Hilfe zu allem Guten,
dass du bewahrt wirst zum ewigen Leben.

Bleiben Sie behütet unter diesem Segen!

Herzlichst, Ihr Pfarrer Reinhard Fischer