"Er veränderte die Welt für immer"

Lutherdenkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg
Bildrechte: Lotz / GEP

So lautet der Untertitel eines Films über das Leben Martin Luthers. Begonnen hatte diese Veränderung spätestens mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen am 31. Oktober 1517. Die evangelische Kirche gedachte dieses Anlasses mit der Lutherdekade von 2008 bis 2017.

Das weite Themenspektrum der Reformation und ihre Impulse, die bis in unsere heutige Zeit reichen, wurden in zahlreichen Veranstaltungen aufgenommen und entfaltet. In ihnen wurde der Einfluss der Reformation auf Bildung, Musik, Kunst und Sprache ebenso aufgegriffen und behandelt wie Politik, Toleranz und das Freiheitsverständnis.

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.

Die Veröffentlichung der 95 Thesen gilt als die Geburtsstunde der Reformation. Daran erinnert uns der alljährliche Reformationstag.

Luthers Anliegen war: Wir dürfen und sollen uns voll und ganz der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit anvertrauen und müssen sie uns nicht durch Taten verdienen. Gottes Liebe und eben nicht unsere Vorleistung lassen uns vor Gott bestehen.

Als Martin Luther eine bekannte Persönlichkeit geworden war, inzwischen geheiratet und eine Familie gegründet hatte, erwartete man von ihm, wie es zu seiner Zeit üblich war, dass er sich ein Familienwappen zulegte. Entstanden ist die sogenannte Lutherrose.

In ihrer Mitte enthält die Lutherrose ein schwarzes Kreuz in einem roten Herzen. Luther sagte einmal: "Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott." Das Kreuz Jesu Christi ist für ihn das Wichtigste im Leben. Es steht nicht für Schwäche oder Niederlage, sondern ist ein Zeichen der Liebe Gottes und soll uns daran erinnern, dass wir stark genug sind, um in Frieden miteinander leben zu können.

Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. (Römer 14,9)

Herz und Kreuz bilden das Innere einer weißen Rose. Weiß steht in der Liturgie als Farbe für die Christusfeste (Ostern, Weihnachten). Das menschliche Herz ist also umgeben von Jesus Christus, von dem her sich Martin Luther in seinem Leben bestimmen ließ. Weiß ist auch die Farbe der Engel. Luther wusste sich in seinem Leben von Gottes Boten begleitet.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Herz, Kreuz und Rose sind eingebettet in ein blaues Feld. Das Blau steht für den Himmel. Luther mag dabei vielleicht an das Psalmwort gedacht haben: "HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen." (Psalm 36,6) Wo immer er auch unterwegs war, Luther war immer unter dem gleichen Himmel unterwegs, der den Glaubenden daran erinnert, dass Gott ihn von allen Seiten umgibt.

Umschlossen ist die Lutherrose von einem goldenen Ring. Ein Ring hat kein Ende, so wie Gottes Liebe ohne Ende ist. Sie legt sich um das Ganze herum, hält alles zusammen.

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannes 4,16)

Mit seinem Familienwappen wollte Luther auf Gott hinweisen, den er als die Kraft seines Lebens erlebt hat.

Voller Dank dürfen wir zurückblicken auf über 500 Jahre (evangelische) Kirchengeschichte und uns immer wieder an Martin Luthers entscheidende Erkenntnis halten, dass wir Gottes Gnade nicht verdienen können, sondern geschenkt bekommen.

Der 31. Oktober 1517 war der Moment, wo der Gedanke der Freiheit, der bis heute für unser Gemeinwesen bestimmend ist, sich Bahn brach. Luther schenkte uns mit seiner Bibelübersetzung das Wort Gottes neu, denn in ihm fand er die Antwort auf seine quälende Frage nach Gott: Allein der Glaube, allein Christus, allein die Bibel, allein die Gnade. Wir haben Grund, das zu feiern, nicht nur wir Christen, sondern alle Menschen guten Willens.

In der Verbundenheit des Glaubens grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Reinhard Fischer