Aufgeweckt

Frohe Ostern!
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Sie sind heute Morgen aufgeweckt worden. Sanft oder unsanft. Durch den Wecker, das Tageslicht oder durch Ihre Frau, Ihren Mann, Ihre Mutter. Sie sind aufgeweckt worden, und alles ist dasselbe geblieben. Sie sind aufgestanden und haben sich nicht verändert.

"Aufwecken" und "Aufstehen" - zwei Worte aus unserem Alltag. Die Jünger Jesu haben diese beiden Worte benutzt, um etwas zu beschreiben, wofür sie keine Worte hatten. Sie bekennen: "Jesus ist auferweckt worden, er ist auferstanden", und wissen dabei zugleich: "Diese Worte passen eigentlich nicht."

Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln. (Dietrich Bonhoeffer)

Denn "Jesus ist auferweckt worden", das heißt ja nicht, dass ein Schlafender wieder wach geworden ist. Und gemeint ist auch nicht: "Der gekreuzigte Jesus ist wiederbelebt worden!" Denn wo alles tot und erstorben ist, da kann man nichts wiederbeleben und aufwecken.

So meinen "Auferstehung" und "Auferweckung" nicht Rückkehr eines Toten in dieses Leben, sondern Eintritt aus dem Tod in ein neues Leben. Gott schenkt Jesus an Ostern solch ein neues Leben.

Wie ist so etwas möglich? Ich weiß es nicht. Die Antwort auf diese Frage überlasse ich getrost Gott.

Man sollte nicht ängstlich fragen:
Was wird und kann noch kommen?
Sondern sagen: Ich bin gespannt,
was Gott jetzt noch mit mir vorhat.

(Selma Lagerlöf)

Was wir davon haben? Zum einen will Jesus Christus kein Einzelgänger sein, sondern Sie und mich mitnehmen durch den Tod hindurch, den Weg, den er gegangen ist. Und zum anderen heißt Ostern eben nicht nur: "Es gibt ein Leben nach dem Tod!" Das klingt ja wie eine Vertröstung. Nein, Ostern heißt auch und vor allem: Das Leben jetzt wird neu, wird frei von Schuld und Angst.

Christus ist auferstanden von den Toten.
Er hat den Tod durch den Tod überwunden
und denen, die im Grabe sind, das Leben geschenkt.
Christus ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

(Aus dem orthodoxen Ostergottesdienst)

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Reinhard Fischer